Rettung unter Tage

Wie kommt schnelle medizinische Hilfe ins Bergwerk?

Was passiert, wenn im Kalibergwerk jemand verunglückt? Die Rettungswege unter Tage sind eine Herausforderung für Bergleute und Sanitäter:innen. Damit auch unter Tage in den Abbaurevieren schnellstmöglich medizinische Hilfe vor Ort ist, haben sich die K+S AG in Kooperation mit dem Arbeiter-Samariter-Bund Regionalverband Magdeburg e. V. (ASB Magdeburg) etwas einfallen lassen.

Sicherheit wird im Werk Zielitz groß geschrieben. Ein Grundsatz, der so alt ist wie der Bergbau selbst und nie an Aktualität verliert. Wenn Bergleute ihrer täglichen Arbeit nachgehen, verpflichten sie sich gleichzeitig, immer auf sich und ihre Kolleg:innen zu achten. Passiert dennoch das Unvermeidbare, ein Kumpel erkrankt oder verletzt sich, sind die Grubensanitäter im Einsatz.
Trotz aller Präventionsmaßnahmen und einer stetigen Aufmerksamkeit können  Verletzungen nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Ein intaktes Rettungs- und Sanitätswesen ist deshalb unerlässlich. Im Ernstfall gilt es, eine lückenlose Rettungskette zu gewährleisten, um schwerere Komplikationen zu verhindern.
Da die untertägigen Bedingungen eines Produktionsstandortes externes Rettungsdienstpersonal vor zahlreiche Herausforderungen stellen würde, bedarf es eines Grubensanitätswesens, das speziell auf diese Gegebenheiten eingestellt ist, um die Rettungszeiten möglichst kurz zu halten.
„Dafür sind erstklassig ausgebildete Sanitäter:innen und die entsprechende technische und medizinische Ausstattung notwendig“, erläutert Andreas Froebe, Koordinator für das Grubensanitätswesen am Standort Zielitz. Er selbst ist einer von insgesamt 32 Kolleg:innen, die als Rettungssanitäter:innen ausgebildet sind.
Alle von ihnen haben eine dreimonatige Ausbildung als Rettungssanitäter absolviert und sind jährlich 50 Stunden zur kontinuierlichen Fortbildung in der ASB-Rettungswache in Wolmirstedt eingesetzt. „Das frischt Kenntnisse auf, dient dem Kompetenzerhalt und sorgt dafür, dass im Ernstfall die Handgriffe sitzen“, erklärt Michael Heu, Leiter der ASB-Rettungswache in der Ohrestadt.
32 ist die optimale Anzahl an Rettungskräften. Sie sind auf drei Schichten in der flächengroßen Grube in Zielitz verteilt. Denn das Abbaugebiet umfasst 26 Kilometer x 6 Kilometer. Das entspricht in etwa der bebauten Fläche der Stadt Magdeburg. Zu jedem Schichtbeginn werden alle Sanitäter:innen in der Grubenwarte gemeldet. „Wir gewährleisten so, dass neben den vielen Ersthelfern immer genügend Sanitäter:innen vor Ort sind“, beschreibt Rettungssanitäter Andy Görsch die tägliche Vorgehensweise. Denn Zeit ist nirgends so kostbar wie bei einem Rettungseinsatz.

Um diese Zeit so kurz wie möglich zu halten, bedarf es neben schnell verfügbaren Sanitätern auch entsprechender mobiler Einsatztechnik. Im Bergwerk stehen hierfür zwei Sanitätskraftwagen („Sankra“) – einer im Ost- und einer im Westfeld – unter Tage parat. Auf den ersten Blick unterscheiden sich diese nicht von den bekannten Einsatzwagen der örtlichen Rettungswache. Am Beispiel des neuen Sanitätskraftwagens (Sankra 95) erklärt Froebe jedoch den Unterschied: „Der Rettungswagen ist ein einmaliger Aufbau der Schönebecker Firma Ambulanz Mobile speziell für unsere Verhältnisse. Er wurde exakt für die räumlichen Verhältnisse des Schachtes 2 konzipiert.“ Bei der Konzeption nutzen die Zielitzer die Expertise der ASB-Retter:innen. So hat Notfallsanitäter Michael Heu im Vorfeld des Ausbaus wertvolle Hinweise zur Ausstattung gegeben.
Im Inneren gleichen die Fahrzeuge, insbesondere der neu aufgebaute Einsatzwagen, jedoch denen, die die Rettungssanitäter:innen aus ihrer Ausbildungszeit kennen. Der Rettungswagen vom Typ Mercedes Sprinter hat alles an Bord, was im Notfall gebraucht wird: Beatmungsgerät, automatisierter externer Defibrillator, Pulsoximeter, Brandverletzungskits, Schienen und mehr. Vor allem die Neuerungen sind für die Sanitäter:innen der Zielitzer Grube von entscheidender Bedeutung. Der neue Sankra verfügt über mehr Ablagefächer, besitzt eine bessere Ausleuchtung, hat einen Tragetisch und ist luftgefedert. Vor allem der installierte Schwebetisch ist ein enormer Gewinn. „Ohne einen solchen Tisch mussten wir im alten Sankra verletzte Personen häufig mit Schrittgeschwindigkeit transportieren, um weitere Verletzungen zu verhindern. Mit dem Schwebetisch im neuen Sankra verkürzen wir die Rettungszeit je nach Transportweg in der Grube teils erheblich“, so Görsch. Sein Blick richtet sich dabei besonders auf Knochenbrüche. Bei den Einsätzen der vergangenen Jahre in der Grube Zielitz traten eben diese Verletzungen auf bzw. waren die dafür notwendigen stabilisierenden Maßnahmen erforderlich.
Und: Der Sankra 95 ist so konzipiert, dass er auf den Korb passt und den Verletzten bis nach oben transportieren kann. Dort wird er dann an den Rettungsdienst übergeben.
Froebe selbst wird die Einweisung der Sanitäter:innen auf dem neuen Rettungsmittel koordinieren. Doch bei aller Begeisterung für die technischen Neuerungen, ist es ihm immer noch am liebsten, wenn die Sankras so selten wie möglich zum Einsatz kommen müssen.

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Nicole Bosold

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